Hü-Basel

MUSEUM FÜR PFERDESTÄRKEN BLEIBT OFFEN


Die Scheune der sprechenden Kutschen

Das etwas angestaubte Museum für Pferdestärken des Historischen Museums Basel soll nach und nach modernisiert werden.

Bitte nicht besteigen! Normalerweise sind die historischen Gefährte im Basler Museum für Pferdestärken nur zum Anschauen. Fürs Pressegespräch machten Marie-Paule Jungblut, Direktorin des Historischen Museums Basel (HMB), und Nicolas Lüscher vom Verein Hü-Basel eine Ausnahme: Sie nahmen auf einem Fuhrwerk Platz, das die Basler Manufaktur Kaufmann um 1900 gebaut hatte. Diese Ausnahme versinnbildlicht den Paradigmenwechsel in dem früheren Kutschenmuseum: Die angestaubte Präsentation in dem Haus mit Kutschen, Wagen und Schlitten, das 2011 vor dem Aus stand, mittlerweile aber finanziell auf Dauer gesichert ist, soll sich nach und nach in ein modernes Museum verwandeln. 

Die Hiobsbotschaft verkündete der damalige HMB-Direktor Burkard von Roda am 12. Dezember 2011: Aus finanziellen Gründen soll das damalige Kutschenmuseum in einer Scheune in den Merian Gärten vor den Toren Basel unweit von St. Jakob geschlossen werden. "Das Museumsbudget steht immer unter Druck", sagt Marie-Paule Jungblut, die Mitte 2012 von Rode ablöste. Zur Schließung kam es aber dann doch nicht. Dank 250000 Franken eines anonymen Spenders blieb das Museum offen. Vorübergehend. 

Jetzt ist klar: Es bleibt definitiv offen. Ermöglicht hätten dies weitere Geldspenden, eine Verbesserung der Strukturen im HMB und vor allem Hü-Basel, erläuterte Marie-Paule Jungblut. Den Verein gründeten vor zwei Jahren Kutschensammler, Restauratoren, Pferdeliebhaber und andere Fans des Museums in der Scheune mit dem Ziel, die Schließung zu verhindern. Gönner des 50 Mitglieder starken Vereins, der das HMB finanziell und ideell sowie mit praktischem Wissen weiter unterstürzen will, sind neben anderen der Lions-Club und Nicole Voellmy-Geigy. Zwei Besonderheiten zeichneten das Basler Kutschenmuseum aus, betont Präsident Lüscher. Die Sammlung mit rund 25 Kutschen, Schlitten und weiteren Gefährten dokumentiert die eigene Verkehrsvergangenheit. Die Fahrzeuge waren auf den Straßen der Region unterwegs. Neben dem Fuhrwerk begüterter Bürger sind Gebrauchswagen, etwa zum Krankentransport, und ein Lieferwagen des Coop-Vorläufers ACV zu bestaunen. Zudem ist das Museum in den Merian Gärten eingebettet in eine um 1860 entstandene Anlage mit Gärten und Gebäuden, die genau jene Zeit widerspiegelt, in der die Kutschen gebraucht wurden. Die Christoph-Merian-Stiftung als Eigentümerin der Scheune ist neben HMB und Hü-Basel dritter Partner, der Planungssicherheit gibt.

 

Diese ermöglicht, mittelfristig eine Neukonzeption in Angriff zu nehmen. Der Weg zu einem modernen, publikumsorientierten Museum, das beispielsweise mit Filmen, Geräuschen und Bewegungen die Zeit der Kutschen lebendig und erlebbar macht, ist noch weit; Aufbruchsstimmung indes ist jetzt bereits spürbar. Und erste Ansätze sind sichtbar: So wird die Schauspielerin und Historikerin Satu Blanc, zunächst vom 21. September bis 23. November, jeweils 15 Uhr, die szenische Führung "Eine Reise durch bewegte Zeiten" zeigen. Die Geschichte spielt 1920, einer Zeit, als Automobile die Pferdekutschen verdrängten, die Röcke kürzer und alte Zöpfe abgeschnitten wurden. Satu Blanc spielt Emily, Tochter aus gutem Hause, die die schnelle Fahrt liegt und die Geschwindigkeit der neuen Zeit begrüßt. Ein herrschaftliches Coupé aus der Sammlung wird in das einstündige Schauspiel einbezogen. Im Unterschied zum Museumseintritt ist die Intervention, die auch gebucht werden kann, kostenpflichtig. Anmeldung:   004161/2058670.

 

Nach einer Pause beteiligt sich das Museum für Pferdestärken zusammen mit dem Mühlemuseum, ebenfalls in den Merian Gärten, am 16. Januar an der Basler Museumsnacht. Im Mittelpunkt steht die szenische Intervention "Philipp Burckhardt vom Segerhof erzählt aus dem spannenden Leben als Handelsreisender" mit Samuel Bally. Premiere hat an der Nacht zudem eine auf die Ausstellung zugeschnittene Klang- und Lichtinstallation, die Nadja Schaffer, Studentin des Masterstudios Design an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel erarbeitet hat: Im abgedunkelten Museum leuchten während zehn Minuten einzelne Kutschen auf, beginnen zu sprechen. Im Dialog miteinander erzählen sie über ihre Herrschaft, ihre Funktion oder erinnern an besondere Momente ihres Daseins. Die Installation wird danach in die Dauerausstellung integriert und läuft zu jeder vollen Stunde. Die Kaufmann-Kutsche steht übrigens schon jetzt vor dem oder im Eingang. Sie darf – nein, sie soll von den Besuchern bestiegen werden. 

BASLER MUSEUM FÜR PFERDESTÄRKEN

Als Kutschenmuseum und viertes Ausstellungsgebäude des Historischen Museums Basel wurde das Museum für Pferdestärken 1981 in Brüglingen bei Münchenstein (Kanton Baselland) am südöstlichen Stadtrand Basels eröffnet in einer Scheune des ehemaligen Landgutes von Christoph Merian. Ausgestellt sind Luxuskutschen, Geschäftsfuhrwerke, Postwagen und Schlitten. 

Öffnungszeiten: Mittwoch, Samstag und Sonntag, jeweils 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Mehr Infos: http://www.hmb.ch und http://www.hü-basel.ch

Bericht Badische Zeitung

Das Basler Museum für Pferdestärken bleibt definitiv erhalten: Das hat das Historische Museum Basel (HMB), zu dem das Pferdestärkenmuseum gehört, am Dienstag mitgeteilt.  Das früher als Kutschenmuseum aufgetretene Haus war in den vergangenen Jahren aus finanziellen Gründen von der Schliessung bedroht gewesen. In der Folge von Sparvorgaben des Kantons hatte das HMB 2011 die Schliessung des Kutschenmuseums - eines seiner insgesamt vier Häuser - angekündigt. Dank einer Schenkung konnte der Betrieb dann aber bis 2015 gesichert werden. Nun bleibe das Museum auch darüber hinaus erhalten, hiess es am Dienstag beim HMB. Ermöglicht hätten dies ausser der Schenkung eine Optimierung der personellen Strukturen im HMB sowie die Unterstützung durch den Verein Hü-Basel. Der Verein war eigens dazu gegründet worden und unterstützt das Museum mit finanziellen Beiträgen sowie Aktivitäten rund um die Kutschensammlung. Das Museum für Pferdestärken umfasst eine Sammlung von Luxuskutschen, Schlitten, Postwagen, Geschäftsfuhrwerken, Pferdegeschirren und weiteren Objekten. Untergebracht ist es in einem von der Christoph Merian Stiftung (CMS) zur Verfügung gestellten Gebäude in den Meriangärten in Brüglingen bei Basel. (jg/sda) 

BerichtBasler Zeitung